30.06.2025
STANDORT

„Ein besonderer Moment für Österreich“: Microsoft eröffnet Cloud-Region in Niederösterreich

Microsoft Österreich hat am Montagvormittag bei einer Pressekonferenz seine neue Cloud-Region vorgestellt, die ab August in Betrieb gehen soll. Auch Staatssekretär Alexander Pröll war vor Ort.
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Hermann Erlach, General Manager, Microsoft Österreich und Staatssekretär Alexander Pröll. | © Microsoft Österreich

„Ein besonderer Moment für Österreich, ein besonderer Moment für viele Unternehmen und auch ein besonderer Moment für mich als General Manager Microsoft Österreich“, begann Hermann Erlach seine Rede. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass wir dieses Projekt nach Österreich holen, und es freut mich extrem, heute verkünden zu dürfen, dass wir im August mit unseren Rechenzentren in Österreich live gehen.“

Mit der Eröffnung der AI Innovation Factory im März und nun dem Start der Cloud-Region setzt Microsoft Österreich seine Pläne fort, die digitale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu stärken und die heimische Wirtschaft zu unterstützen.

Digitale Souveränität

In den vergangenen Jahren hat Microsoft Österreich rund eine Milliarde Euro in den Bau von drei Rechenzentren in der Region Wien investiert. Erlach bestätigte den Standort Niederösterreich, Details bleiben jedoch aus Sicherheitsgründen unter Verschluss.

Die neue Cloud-Region soll es Unternehmen jeder Größe sowie der öffentlichen Verwaltung ermöglichen, Daten lokal und DSGVO-konform zu speichern und zu verarbeiten. Auch Startups sollen niederschwellig von den Technologien profitieren können. Unternehmen können Dienste wie Azure, Microsoft 365 und Power Platform künftig direkt vor Ort nutzen.

Im Fokus steht dabei auch die digitale Souveränität. „Wir sehen diese Datacenter-Region als Plattform für digitale Souveränität“, so Erlach. Ziel sei es, eine verlässliche Basis für den Umgang mit Daten zu schaffen und gleichzeitig EU- sowie nationale Compliance-Vorgaben leichter einhalten zu können.

Energie aus heimischer Wasserkraft

Für den Betrieb der Rechenzentren setzt Microsoft Österreich nach eigenen Angaben ausschließlich auf erneuerbare Energiequellen. Möglich macht das eine Partnerschaft mit Verbund, der Strom aus Wasserkraftwerken in Mayrhofen/Tuxbach und Freudenau liefert. 

Erste Unternehmen, die die neue Infrastruktur nutzen wollen, sind unter anderem die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die Umdasch Group und Kapsch TrafficCom.

Wirtschaftliche Bedeutung für den Standort

Mit den Rechenzentren verfolgt Microsoft Österreich das Ziel, die digitale Infrastruktur des Landes auszubauen und Technologien wie Cloud-Computing und künstliche Intelligenz weiter voranzubringen. Christian Helmenstein vom Wirtschaftsforschungsinstitut Economica stellte bei der Pressekonferenz eine aktuelle Studie vor, die den wirtschaftlichen Effekt von Cloud-Technologien untersucht. Demnach betrage die Umsatzsteigerung pro Digitalisierungsstufe laut Studie 8,3 Prozent.

Die Studie sieht zusätzliches Potenzial für neue Arbeitsplätze und eine stärkere Wertschöpfung. Zudem würden Cloud-Technologien durch ihre Funktion als Enabler zu “positiven Effekten unter anderem auf Innovation, Verfügbarkeit von Fachkräften sowie Fortschritte auf dem Weg zu einer resilienten und grünen Wirtschaft führen”, heißt es von Economica.

Mehr europäische Eigenständigkeit

„Unser Ziel ist ganz klar als Bundesregierung ein modernes, sicheres, inklusives, aber auch vor allem digitales Österreich“, sagt Staatssekretär Pröll. „Ich glaube, dass diese Rechenzentren ein wirklich starkes Signal für den Digitalstandort und für den Wirtschaftsstandort sind.“

Für Pröll ist das Projekt auch ein Signal für mehr europäische Eigenständigkeit: „Es geht darum, europäisch zu denken und national zu handeln. Das neue Rechenzentrum ist ein Bekenntnis zu Europa.“

Österreich dürfe bei der Digitalisierung nicht ins Hintertreffen geraten, so Pröll weiter: „Wenn wir im Bereich KI nicht vorwärts schreiten und alles dazu tun, dass wir als Österreich hier vorankommen, dann werden wir hinten bleiben. Hier tut Microsoft den ersten Schritt. Wir als Österreich sind jedem Unternehmen dankbar, das in Österreich investiert.“

Eine Economica-Studie von 2024 zeigt: Ein umfassender Einsatz von KI könnte die heimische Wertschöpfung um bis zu 18 Prozent steigern – vorausgesetzt, die digitale Infrastruktur ist leistungsfähig genug.

Aus- und Weiterbildung als Schwerpunkt

Auch in der Aus- und Weiterbildung digitaler Kompetenzen engagiert sich Microsoft Österreich bereits seit längerem. Mit der Initiative „Mach heute Morgen möglich“ wurden nach Unternehmensangaben seit 2022 mehr als 200.000 Menschen in Österreich geschult. Bis Ende 2025 sollen es insgesamt 300.000 sein – von Basiskenntnissen bis hin zu technischen Zertifizierungen.

Pröll betonte, wie wichtig solch eine Weiterbildung ist: „Wir können die beste Technologie nicht nutzen, wenn wir nicht wissen, wie wir sie anwenden können. Und darum ist es ganz ganz wichtig, dass wir – von jugendlich bis erwachsen und erfahren – alle Menschen bestmöglich mitnehmen und schulen. Unser Ziel ist es, dass bis 2030 jeder Mensch in Österreich digital kompetent ist.“

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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