20.04.2022

Robinhood kauft Krypto-Börse in nächstem Europa-Expansions-Versuch

2020 scheiterte ein Expansionsversuch nach Europa. Nun versucht es der US-Neobroker Robinhood mit der Übernahme der UK-Krypto-Börse Ziglu erneut.
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Robinhood - Baiju Bhatt and Vlad Tenev
die Robinhood-Founder Baiju Bhatt and Vlad Tenev | Foto: © Robinhood

Beträge ab einem Cent in Aktien investieren – das ist der Claim, mit dem der US-Neobroker Robinhood vor einigen Jahren loslegte. Kundenseitiges Interesse an dem Produkt gab es auch in Europa schon damals, ist es in den USA doch vor allem bei Millenials sehr beliebt. Und es gab auch bereits Bekundungen seitens des US-FinTechs, über den Atlantik expandieren zu wollen. 2020 sollte es dann soweit sein, doch der Versuch wurde nach mehreren Rückschlägen und Zwischenfällen gestoppt, um sich wieder auf den Kernmarkt konzentrieren zu können. Nun kommt der nächste Versuch: Robinhood übernimmt die UK-Krypto-Börse Ziglu.

Ziglu: Neue Robinhood-Tochter mit begehrter UK-Zertifizierung

Schon im Februar war medial darüber spekuliert worden, dass das FinTech seine globalen Expansionspläne wieder aufnimmt, aber mit einem „Crypto First“-Produkt. Das scheint sich nun zu bewahrheiten. Ziglu zählt zu den derzeit 33 voll regulierten britischen Krypto-Exchanges – seit kurzem gibt es einen neuen Zertifizierungsprozess im Vereinigten Königreich, den etwa auch die Bitpanda-Tochter Trustology erfolgreich durchmachte. Ziglu bietet neben einem Krypto-Broker-Angebot auch Zinskonten und eine Krypto-Debitkarte. Bei der letzten Finanzierungsrunde im November des vergangenen Jahres, wurde das Unternehmen mit etwas mehr als 100 Millionen Euro (85 Mio. Pfund) bewertet.

„Expansion in Europa vorantreiben“

„Als Teil von Robinhood werden wir die Expansion von Robinhood in Europa vorantreiben und Millionen weiterer Kunden einen besseren Zugang zu Kryptowährungen und ihren Vorteilen ermöglichen“, kommentiert Mark Hipperson, Gründer und CEO von Ziglu, in einer Aussendung. Und Vlad Tenev, CEO und Mitgründer von Robinhood meint: „Das beeindruckende Team von Ziglu mit seinen erfahrenen Finanzdienstleistungs- und Krypto-Experten wird uns helfen, unsere globalen Expansionsbemühungen zu beschleunigen. Gemeinsam mit dem Ziglu-Team werden wir daran arbeiten, das Beste beider Unternehmen zu nutzen, um neue Wege für Innovationen zu erkunden und Barrieren für Kunden in Großbritannien und Europa abzubauen“.

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Das Wiener Startup sonnnig baut eine White-Label-Lösung zur Verwaltung von Energiegemeinschaften. Nach dem Erfolg bei Privatabnehmer:innen will das zwei Jahre alte Unternehmen nun Energieversorgern unter die Arme greifen. Mit einer neuen aws-Seedfinancing-Förderung im Rücken sucht das Team Partnerunternehmen.
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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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