23.03.2022

Butchershop-Gründer Trevor Hubbard über das Finden und Binden von Talenten

Der Gründer der Kreativ-Agentur Butchershop Trevor Hubbard über Mitarbeiterfluktuation und die Schwierigkeit sich Talente zu angeln.
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(c) Butchershop - Butchershop-Founder Trevor Hubbard.

Jedes Unternehmen steht im Wettbewerb um Talente. Die Pandemie hat unser Verhalten verändert und damit auch die Erwartungen unserer Fachkräfte an ihre Karriere. Es ist ein herausforderndes Umfeld, in dem wir uns befinden – Globalisierung, Home-Office, hybride Arbeitsweisen, massive Kapitalinvestitionen in Startups und einige wenige Menschen, die Zugang zu mehr Informationen und Einfluss haben als je zuvor.

Für mich sind die Unternehmen, die bei der Rekrutierung gewinnen, diejenigen, die von ihrer „Markenposition“ ausgehen. Marke ist Wahrnehmung. Wir können die Wahrnehmung eines Unternehmens nicht kontrollieren. Das Publikum und die Kunden jedoch schon.

Der Branding-Faktor

Anders als beim Marketing, wo es darum geht, was „du über dein Unternehmen sagst“, geht es beim Branding darum, „was andere über dein Unternehmen sagen“. Immer wichtiger ist es dabei, sich dynamische und markenzentrierte Wege auszudenken, um mit potentiellen, attraktiven Bewerbern in Kontakt zu treten.

Unternehmen setzen bereits immer mehr auf Kreativität in ihren Rekrutierungsprozessen, um begehrte Kandidaten anzusprechen und, was ebenso wichtig ist, um hervorragende Talente zu halten. Glauben sie nicht, dass es nur um Stellenausschreibungen und eine nette Karriereseite auf Ihrer Website geht. Es ist viel mehr als das. Finden sie hier nützliche Maßnahmen, die sie umsetzen und Lücken in der Unternehmenskultur schließen können, um neue Talente zu finden und zu binden.

Schritt 1: Große Talente durch Kultur und Marke anziehen

Früher war der Prozess der Talentakquise so einfach wie die Veröffentlichung von Stellenausschreibungen. Heute müssen Unternehmen ihre Einstellungsprozesse umfassender betrachten, um von den begehrtesten Talenten als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Die Personalbeschaffung stellt dabei heute ein wesentliches Element des Unternehmenswachstums dar. Sie ist neben Kunden, Investoren, Vorstandsmitgliedern und bestehenden Mitarbeitern eine der wichtigsten Zielgruppen und sollte aus Sicht des Marketings und Brandings auch als solche behandelt werden.

Die Wahrheit ist, dass dieser Wandel in der Einstellungspraxis nicht aus heiterem Himmel gekommen ist. Ein Anhaltspunkt für das Verständnis der jüngsten Veränderungen bei der Personalbeschaffung ist, wie sich unsere Gesellschaft im Laufe der Zeit verändert hat.

Millennials und der Wandel der Talente

Etwa die Hälfte der Arbeitskräfte sind Millennials, für die Flexibilität an erster Stelle steht. Nahezu 70 Prozent von ihnen geben an, dass sie einen Arbeitsplatz wegen mangelnder flexibler Arbeitsmöglichkeiten verlassen haben oder dies in Erwägung ziehen. Nur etwa die Hälfte der älteren Arbeitnehmer äußerte in einer kürzlich durchgeführten Umfrage die gleiche Meinung.

Darüber hinaus geben mehr als 80 Prozent der Millennials an, dass sie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben priorisieren, wenn sie eine Stelle in Betracht ziehen. Bei der Suche nach Talenten geht es also im Kern um Unternehmensstruktur. Es geht darum, eine Kultur zu schaffen, die auf den Grundsätzen von Vertrauen, Klarheit, Flexibilität, Einfühlungsvermögen, Zuhören und Handeln beruht.

Wie reagieren sie auf diesen Wandel? Mit Kultur!

Wir beginnen mit einer Fallstudie. Ein multinationaler, bekannter Sportartikelhersteller (und eine kulturelle Ikone) hatte kürzlich Schwierigkeiten, begehrte Talente für sein Unternehmen zu gewinnen. Die Führungskräfte des Unternehmens waren ratlos: Warum sollten junge Fachkräfte nicht begeistert sein, für eine so bekannte und seriöse Marke zu arbeiten?


Zur Erklärung: Mein Unternehmen Butchershop-Global arbeitete mit dem globalen HR-Team zusammen, um besser zu verstehen, was das Unternehmen in seinem Einstellungsprozess vermitteln wollte. Zur Unterstützung dieses Prozesses nutzten wir das Beat Failure-Mindset, ein Gedankenexperiment, das wir entwickelt haben, um potentielles Scheitern zu bekämpfen.


Gemeinsam mit dem Kunden untersuchten wir also, was die Markenwahrnehmung im Rekrutierungsprozess zum Scheitern bringen würde, und entwickelten sehr klar definierte und abgegrenzte Scheiter-Elemente. Indem wir den Einstellungsprozess auf den Kopf stellten, nutzten wir die Beat Failure-Methode, um der Einstellungsstrategie des Unternehmens eine neue Perspektive zu geben.

Was folgte, war unmittelbar. Das Unternehmen berücksichtigte potentielle Scheiter-Elemente in seinem Rekrutierungsprozess, um das gewünschte Bewerbererlebnis genauer zu definieren, entwickelte eine einheitliche Arbeitgebermarke, passte sein Messaging an eine große strategische Idee an, erstellte globale Asset-Bibliotheken und verbrachte fast ein Jahr damit, neue Technologien auf ihrer Recruiting-Plattform zu entwickeln.

(c) Butchershop – Kultur und Klarheit als Faktoren für die Außenwirkung eines Unternehmens.

Noch wichtiger ist, dass ihre Botschaften zuverlässig und wahrheitsgetreu waren – sie nutzten ihre eigene Unternehmenskultur, um auf kulturelle Trends bei den Einstellungsanforderungen zu reagieren. Natürlich handelt es sich hier um ein großes börsennotiertes Unternehmen, das zwei Jahre brauchte, um dieses Problem zu lösen. In kleinerem Maßstab haben Unternehmen, die schneller handeln können, einen einzigartigen Vorteil, wenn sie erkennen, wie wichtig ‚Employer Branding‘ sein kann.

Schritt 2: Großartige Talente durch Führung und Klarheit halten

Die Einstellung ist nur die halbe Miete – die Bindung von Mitarbeitern ist die andere Hälfte. Da die Mitarbeiterfluktuation so hoch ist wie nie zuvor, ist es jetzt an der Zeit, die Führungsqualitäten Ihres Unternehmens zu nutzen und für mehr Klarheit zu sorgen, um die Mitarbeiterbindung zu stärken und die Einstellung neuer Mitarbeiter zu fördern.

Stellen Sie sich eine Unternehmenskultur vor, in der jeder weiß, woran er ist, in der jeder die Strategie, die zu einem Gesamtziel führt, genau nachvollziehen und unterstützen kann. Diese Form der Ausrichtung schafft eine Unternehmenskultur, die auf Klarheit aufgebaut ist – der einzige Weg zum Erfolg.

Die Implementierung der Beat Failure-Methodik in die internen Prozesse ihres Unternehmens schafft eine Kultur, in der die Erwartungen des Arbeitgebers und die Bedürfnisse der Mitarbeiter übereinstimmen. Darüber hinaus ermöglicht sie es, Fragen, die sich auf den Gesamterfolg des Unternehmens auswirken, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Kulturelle Klarheit maximieren

Decken sie alle potentiellen Lücken in Ihrer Einstellungsstrategie (oder Wachstums- oder Bindungsstrategie) auf, indem sie Schlüsselfragen stellen wie: Werden wir genug Zeit haben, um die Aufgabe richtig zu erledigen? Welche Ressourcen haben wir nicht berücksichtigt? Werden wichtige Entscheidungsträger zu wichtigen Zeitpunkten nicht zur Verfügung stehen? Haben wir die Inhalte, die wir brauchen, um den gewünschten Effekt zu schaffen? Verfügen wir über die richtigen Mitarbeiter, um diese Aufgabe zu bewältigen? Werden die Mitarbeiter mitziehen?

Der Fachkräftemangel wird uns vielleicht noch eine Weile begleiten, aber mit einer bewussten und koordinierten Anstrengung, die kulturelle Klarheit in Ihrem Unternehmen zu maximieren und zu kommunizieren, werden die Gewinner der Personalbeschaffung und Haltung in naher Zukunft deutlich werden.

Eine Sache, die Sie ihren Mitarbeitern von Zeit zu Zeit stellen können, ist diese Frage: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie klar sind ihnen die Ziele des Unternehmens, ihr Arbeitsbeitrag und ihr Team? Wenn der Ausgangswert niedrig ist, gibt es viel zu tun. Mit der Zeit sollte sich diese Zahl erhöhen, und die Wahrnehmung ihres Unternehmens wird in der Welt da draußen noch positiver werden. Es geht nicht immer um großartige Werbung, Vergünstigungen, Vergütungspakete und flexible Arbeitsformen. Klarheit wird ihr Unternehmen befreien.

Versuchen sie, das Scheitern zu besiegen, indem sie das Scheitern in ein Werkzeug für Klarheit und strategischen Weitblick verwandeln. Pflegen sie gleichzeitig eine Unternehmenskultur, die ihre Strategie auf einer formelhaften Methode und einem klaren Ansatz aufbaut, um einen Mehrwert für Initiativen zur Talentbindung zu schaffen, mit der simplen Frage: „Was würde uns & unsere neue Initiative zum Scheitern bringen?“

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Daniel Cracau Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic
Daniel Cracau ist Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Eigentlich, erzählt er, hatte er sich eine berufliche Auszeit vorgenommen, als die IT:U Anfang 2025 bei ihm angeklopft habe. Dort habe man einen „Macher, nicht nur einen Verwalter“ für die Schnittstelle zur Wirtschaft gesucht. „Ich habe mich mit einem radikalen Konzept beworben und gleich klargestellt, dass ich meinen eigenen Kopf habe und Unbequemes anspreche.“ Das Konzept wurde angenommen, Cracau trat im Sommer seinen Dienst an. „It’s my project. I love it, und seitdem bin ich all-in“, sagt er heute.

„Ein System, das sich permanent verändern kann“

Der Reiz der IT:U liege darin, dass sie als öffentliche Hochschule komplett neu errichtet werde, ohne verkrustete Legacy-Probleme. Ziel sei es, zu beweisen, dass man eine moderne Universität von Anfang an richtig konzipieren könne. Das bedeute vor allem auch Wandlungsfähigkeit: „Auf die Frage, wie die IT:U in 15 oder 20 Jahren aussehen wird, antworte ich: ‚Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass sie auf jeden Fall nicht so aussieht wie heute.‘ Ich glaube, das ist auch der Kern dieses ganzen Projekts: diese Fähigkeit, sich an die Realität der Welt anzupassen.“ IT-Fakultäten an etablierten Universitäten könnten diese Agilität in der vorhandenen Struktur nicht erreichen. „Und wenn wir jetzt kein System bauen, das sich permanent verändern kann, ist die IT:U in zehn Jahren auch veraltet“, so Cracau.

Dieses Umfeld ziehe auch „Rebels“ an, die Dinge neu denken wollen – sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Studierenden. „Masterstudierende, die sich trauen, in ein Studium einzusteigen, das keine Referenz hat, haben dieses Pionier-Gen“, ist Cracau überzeugt. Und das brauche man auch für Spinoffs. Auch dass Englisch die offizielle Sprache an der IT:U ist, ziehe eine tendenziell gründungsaffine Zielgruppe an: „Die Ausgründungsrate bei internationalen Studierenden ist bis zu fünfmal höher“, so Cracau.

Gelernt wird an der IT:U projektbasiert in Kleingruppen direkt an Technologien wie Robotik und KI. Das Ziel sei die Verschmelzung von technischer Expertise und Future Skills. Dabei müsse man einem Problem erst interdisziplinär auf den Grund gehen, bevor man es lösen könne. Cracau: „Gründerinnen und Gründer suchen sich ihre Probleme, gehen mit offenen Augen durch die Welt und beißen sich dann an etwas fest, das sie wirklich interessiert.“ Dennoch dürfe man sich beim Thema Ausgründungen keinen Illusionen hingeben: „Die Vorstellung, dass man jede beliebige Forschende oder jeden beliebigen Forscher zu Gründerinnen und Gründern ausbilden kann, ist romantisch.“

Und aktuell befinde sich die IT:U auch noch in einer Bringschuld, die einen zentralen Punkt in der öffentlichen Spinoff-Debatte betrifft: „Wir arbeiten noch an unserer IP-Policy. Die wollen wir Schritt für Schritt aufbauen“, sagt Cracau. Das Ziel sei dabei klar: Sie soll „maximal gründungsfreundlich“ werden. Und er spricht auch das zweite Großthema rund um universitäre Ausgründungen an: den Zugang von Universitäten zu Unternehmensanteilen. „Wenn die Universität früh mit einem hohen Anteil – sagen wir: zehn Prozent – und Mitspracherecht reingeht, killt das die Erfolgschancen des Spinoffs“, warnt Cracau. Internationale Vorbilder wie die ETH Zürich und die TU München mit UnternehmerTUM würden zeigen, dass flache Beteiligungsstrukturen besser funktionieren. „Der Mehrwert kommt langfristig über erfolgreiche Alumni zurück, die das Ökosystem unterstützen“, so Cracau.

Kooperationen im Zentrum

Um angehende Gründer:innen ganz konkret zu fördern, setzt die IT:U auf Begleitung ab Tag eins bereits in der „Welcome Week“. Ausgründen sei „nicht nur eine Möglichkeit, sondern es wird proaktiv gefördert“. Neben dem Aufbau einer eigenen finanziellen Anschubförderung soll im nächsten Jahr ein „Startup Partner“ als erster Ansprechpartner an Bord kommen. „Diese Person muss echte Gründungserfahrung mitbringen, um ein authentischer und kompetenter Begleiter zu sein“, betont Cracau. Den entscheidenden Hebel sieht er letztlich in der Praxisnähe: „Der absolut größte Breaking Point ist Go-to-Market. Durch das projektbasierte Arbeiten an realen Industrieaufgaben ist die Basis für den Marktstart von vornherein viel besser.“ Diese Industriekooperation passiert etwa in einem kürzlich eröffneten gemeinsamen Labor mit Infineon Austria.

Als Vision skizziert Cracau ein noch größeres Ziel: „Letztlich soll der Mehrwert der IT:U darin bestehen, nicht nur Graduates hervorzubringen, die direkt in die Wirtschaft gehen, sondern auch als Anker im Ökosystem für eine Gründungswelle zu stehen und diese institutionell zu begleiten.“ Das könne aber nur mit einem breiten Schulterschluss gelingen – nicht nur mit anderen Unis, wie es etwa mit der „Schwester-Uni“ JKU bereits der Fall sei, sondern auch mit Wirtschaft und Industrie: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Denn am Ende ist ganz Österreich nur ein kleines Ökosystem.“

Die Hochlauf- und Entwicklungskurve bleibe jedenfalls steil und anspruchsvoll. Als entscheidender Meilenstein für den weiteren Erfolg der IT:U gilt die anstehende Wahl der Universitätsführung Mitte 2027.

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