11.02.2022

Lung-Diagnostics: Linzer HealthTech möchte mit mobilen Test-System Diagnose von Lungenerkrankungen revolutionieren

Das Linzer HealthTech Lung-Diagnostics entwickelt ein tragbares KI-basiertes Testsystem für die Lungenfunktion, das künftig zuverlässige und schnelle Diagnosen von Lungenerkrankungen in Ordinationen und sogar den eigenen vier Wänden ermöglichen soll. Der brutkasten hat mit Co-Founder Alfred Wegerer über die Entwicklung und das Skalierungspotential der Lösung gesprochen.
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Lung-Diagnostics
Alfred Wegerer & Dr. Klaus Fischer von Lung-Diagnostics | (c) Lung-Diagnostics
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Weltweit gibt es mehr als 500 Millionen Fälle von COPD und Asthma. Eine frühzeitige Diagnose würde zu einer erheblichen Verringerung der Krankheitslast dieser Lungenkrankheiten führen. Abhilfe könnte künftig eine neue Lösung des Linzer HealthTech-Startups Lung-Diagnostics schaffen. Das 2019 gegründete Unternehmen arbeitet an einem Testsystem, das künftig schnellere und präzisere Diagnosevorschläge sowie Monitoring- und Managementlösungen für mehr Lungengesundheit ermöglichen soll. Die LD-Lösung besteht aus einem mobilen Diagnose-/Testapparat in Verbindung mit einer – durch künstliche Intelligenz – selbstlernenden Software, die die physikalischen und chemischen Parameter von Atmung und Atemluft erfasst.

Das Besondere: Data-Fusion-Algorithmen führen anschließend die einzelnen Messwerte über eine digitale Plattform zusammen und gleichen sie mit zuverlässigen Referenzwerten ab. Auf Grundlage der Daten sollen schlussendlich Fachleute einen umfassenden Diagnosevorschlag bekommen und Patient:innen in weiterer Folge die passende Therapie und deren Monitoring. 

Der USP von Lung-Diagnostics

Lung-Diagnostics Co-Founder Alfred Wegerer erläutert den USP des KI-basierte Testsystem: “Die Innovation an dem Gerät ist, dass wir die Atemmechanik und Atemchemie in einem einzelnen mobilen Gerät in einer synchronen Messung erheben. Unser Ziel ist es, auf diese Art und Weise Lungenkrankheiten, wie COPD oder Asthma, verlässlich und schnell zu diagnostizieren, damit anschließend der Krankheitsverlauf überwacht und die passende Therapieform gefunden werden kann.” Konventionelle Geräte am Markt, die unter anderem in Ordinationen zum Einsatz kommen, würden nämlich meist sehr kompliziert zu bedienen sein und Atemmechanik und Atemluftchemie separat messen.

(c) Lung-Diagnostics

Mobiles Testsystem beim Arzt & zu Hause

Durch die einfache Bedienung und Multifunktionalität des Testsystems können Patienten direkt am Point of Care – also beim Arzt und sogar zu Hause – mit einer Art Ampelsystem über den Zustand ihrer Lunge und den Verlauf der Krankheit informiert werden. Krankheiten wie Asthma, COPD, Lungenfibrose, Lungenkrebs, aber auch Infektionen können so rascher diagnostiziert werden. Die Therapie wird persönlich überwacht und kann somit individuell auf den Patienten zugeschnitten werden. Ziel sei es, dass Privatanwender:innen ihrer Atmung, Lunge und Vitalität mehr Aufmerksamkeit schenken.

Über die digitalen Daten können zudem auch Therapien personifiziert werden, was wiederum die Lebensqualität der Patient:innen erhöht. Zudem sollen künftig über die Internet-Plattform www.mYRespiration.com Patient:innen, Ärzt:innen und Intensivmedizin durchgängig und ohne Zeit- und Ressourcenverlust vernetzt werden.

Expertise im Bereich Medizintechnik

Die beiden Gründungsgesellschafter von Lung-Diagnostics Dr. Klaus Fischer und Alfred Wegerer verfügen über eine langjährige Erfahrung in den Bereichen Medizintechnik, Diagnose, respiratorisches System und Software. Das Startup ist in Linz in der ehemaligen Tabakfabrik beheimatet. Zudem kooperiert Lung-Diagnostics seit rund vier Jahren mit der Linzer Johannes Kepler Universität und dem Kepler Universitätsklinikum. “Die Erkenntnisse aus den Vorprojekten mit unseren Partnern haben letztlich zur Gründung von Lung-Diagnostics geführt. Ziel ist es die Erkenntnisse in marktfähige Produkte zu überführen”, so Wegerer. Erste klinische Test haben bereits die Funktionalität des Geräts bewiesen. Aktuell befindet sich das Linzer Startup mit seinem neuartigen System in der medizinischen Zulassungsphase. 

erste klinische Studie am KUK mit Demonstrator

Finanzierung und Skalierungspotential von Lung-Diagnostics

Für die Produktentwicklung konnten sich die beiden Gründer gemeinsam mit ihrem Team eine Pre-Seed-Förderung der Austria Wirtschaftsservice in der Höhe von 200.000 Euro sichern. Diese Phase wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Die weitere Finanzierung wird über eine Kapitalerhöhung mit Beteiligung weiterer Investoren ermöglicht. Nach erfolgter medizinischer Zulassung sollen Ärzte künftig nur pro Messung und für die verwendeten Verbrauchsgüter, wie beispielsweise Filter, bezahlen. Der Preis liegt unter den Kosten konventioneller Atemmessungen, die von den Krankenkassen refundiert werden.

Das Heimgerät sollen Privatanwender künftig im Abo-Modell nutzen können, wobei ein einmaliger Anerkennungsbeitrag zu bezahlen ist, der im unteren dreistelligen Bereich liegt. Das Startup schätzt den jährlichen Umsatz bis 2023 mit bis zu zwei Millionen Euro ein, der bis 2025 aufgrund des Skalierungspotentials der mobilen Lösung bis zu zehn Millionen Euro betragen könnte. Nicht zuletzt wurde der Lungengesundheit durch die Coronakrise eine neue Aufmerksamkeit zuteil. “Wir sehen, dass die Lunge ein sehr vulnerables Organ ist, dem in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Mit unserer Lösung wollen wir dies ändern und die Patient:innen aktiv mit einbeziehen”, so Wegerer abschließend.


* Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen brutkasten und Austria Wirtschaftsservice (aws)

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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