30.06.2021

Corona-Impfung: Handelsverband fordert 50 Euro für Impfwillige

Der Handelsverband erklärte, dass ein freiwilliger Anreiz mit Gesamtkosten von maximal 395 Millionen Euro weit günstiger wäre, als ein erneuter Lockdown. Der Gutschein soll in der heimischen Wirtschaft einlösbar sein. Eine hohe Durchimpfungsrate sei sonst kaum erreichbar.
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(c) Stock.Adobe/Björn Wylezich - Der Handelsverband fordert positive Impf-Anreize für die Bevölkerung.

Der Handelsverband will die Impfbereitschaft der Bevölkerung fördern und empfiehlt dafür die Vergabe eines Gutscheins im Wert von 50 Euro für jede Corona-Erstimpfung in Österreich. Damit soll auch der Beitrag der Menschen zur Volksgesundheit entsprechend belohnt werden. Wer bereits mindestens eine Corona-Impfung nachweisen kann oder sich noch impfen lässt, soll einen Gutschein erhalten, der bei allen Unternehmen mit Betriebsstätte in Österreich einlösbar ist – egal ob im Handel, bei körpernahen Dienstleistern, in der Gastronomie oder in der Hotellerie.

Corona-Impfung: Rate von 80 Prozent als Ziel

„Wir müssen in Europa neue Schritte setzen, um den Wettlauf gegen das Virus zu gewinnen. Mittlerweile haben zwar 60 Prozent der impfbaren Bevölkerung in Österreich mindestens eine Corona-Schutzimpfung erhalten und es gibt genügend CoV-Impfstoffe, aber es fehlt mitunter an Impfwilligen“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von zumindest 80 Prozent erreichen wollen, braucht es jetzt gezielte Positiv-Anreize. Daher empfehlen wir einen 50 Euro Impf-Gutschein für jede Erstimpfung.“

Laut Will gebe es bereits einige Bundesländer, etwa Niederösterreich, Tirol, Kärnten, das Burgenland und die Steiermark, die bereits aktiv nach Menschen suchen, die sich impfen lassen wollen. Erfahrung und viele Studien würden zeigen, dass in diesem Sinne positive Anreize weit besser funktionieren als negative Anreize oder Strafen.

„Krisenfestigkeit jetzt erarbeiten“

„Die Krisenfestigkeit für den Herbst müssen wir uns jetzt im Sommer hart erarbeiten. Es reicht nicht, darauf zu hoffen, dass die altbekannten Maßnahmen eine weitere Infektionswelle verhindern. Das Einzige, das uns auf absehbare Zeit krisenfest machen kann, ist die Impfung. Daher sollten wir all jene, die einen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung leisten wollen, entsprechend belohnen“, so Will weiter.

Auch bereits geimpfte Personen sollen 50-Euro Gutschein erhalten

Der Vorschlag des Handelsverbandes sieht konkret die einmalige Ausgabe von 50-Euro-Gutscheinen an alle Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich vor, die sich erstmalig gegen Corona impfen lassen. Dabei sollen nicht nur künftige Erstimpfungen belohnt werden, sondern nachträglich auch jene, die bereits geimpft wurden. Sollte sich tatsächlich die gesamte impfbare Bevölkerung Österreichs ab zwölf Jahren – insgesamt 7,9 Millionen Personen – impfen lassen, würden die Gesamtkosten für die Gutscheine bei 395 Millionen Euro liegen. Wichtig ist dem Handelsverband hierbei, dass niemand diskriminiert wird, etwa impfwillige Personen, bei denen eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

„Die Rechnung ist einfach. Jede Lockdown-Woche kostet uns rund 2,5 Milliarden Euro. Die Gutschein-Initiative würde einen wesentlichen Beitrag leisten, um gestärkt in den Herbst zu gehen, und benötigt lediglich ein Sechstel davon. Das sollte es der Politik wert sein“, nimmt Will die politisch Verantwortlichen in die Pflicht.

Griechenland: 150-Euro-Impf-Gutschein für alle 18- bis 25-Jährigen

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass bereits Griechenland beschlossen hat, die Impfbereitschaft der jungen Bevölkerung gezielt zu fördern. Wer sich auf der Balkanhalbinsel impfen lässt, bekommt eine ‚Freiheitskarte‘ im Wert von 150 Euro vom Staat geschenkt. Auch andere Länder wie Russland und die USA versuchen, ihre Bevölkerung mit Positiv-Anreizen, Geldgutscheine, Corona-Lotterie, Uni-Stipendien, von einer Corona-Impfung zu überzeugen.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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